Konzept

Die Kindertagespflege, ursprünglich als quantitative Ergänzung zu den Kitas gedacht, hat sich inzwischen zur echten Alternative entwickelt, in der pädagogisch qualifizierte Menschen Kinder auch über das dritte Lebensjahr hinaus betreuen und fördern.

Wir, Andrea und Rainer Heyligenstädt, haben sowohl mit eigenen Kindern als auch professionell viel Erfahrung im pädagogischen Bereich sammeln können, die wir nun an Kinder in der Tagespflege weitergeben möchten.

Wir sehen Erziehung/Bildung als einen wechselseitigen Prozess, in dem Kinder von uns lernen und wir von ihnen, so dass alle Beteiligten immer wieder neue Erfahrungen oder Erkenntnisse sammeln können. Damit Kinder sich in ihrem Sein entfalten können, brauchen sie entsprechenden Freiraum, Orientierung, Anregung und auch Förderung. Wir lassen Elemente aus unseren Erfahrungsbereichen einfließen, wo es aus unserer Sicht Sinn macht, zum Beispiel die Waldorfpädagogik oder neue Erkenntnisse aus der Hirn- bzw. Lernforschung . So kann sich ein rhythmischer Tagesablauf aus freiem Spiel, Ruhezeiten und angeleiteten Bildungsangeboten entwickeln, welche sich aus den Interessen der Kinder und unseren Kompetenzen ergeben.

Kinder haben aus sich heraus das Bedürfnis zu lernen. Sie müssen nicht aufgefordert oder motiviert werden. Es genügt, dass wir als Tagespflegepersonen ganz für die Kinder da sind, so dass wir deren Neugierde und Begeisterung aufgreifen können, uns anstecken lassen können und die emotionale, soziale und kognitive Entwicklung im Sinne der Kinder fördern können.

Im Rahmen der Kindertagespflege mit einem Personalschlüssel von einem Betreuer für höchstens fünf Kinder ist eine optimale individuelle Förderung möglich.

 

Rahmenbedingungen

Es handelt sich bei der Kindertagespflege ROTER LÖWE um einen Zusammenschluss zweier Tagespflegepersonen. Die Kinder sind einem der beiden TPP fest zugeordnet, um ihnen ein Gefühl sicherer Bindung zu ermöglichen, Spiel – und Förderangebote werden aber auch gruppenübergreifend durchgeführt.

Die Einrichtung ist offen für Kinder zwischen 2 und 7 Jahren, Ausnahmen sind möglich. Es gibt eine verbindliche Öffnungszeit von 8.30 – 15 Uhr, die nach Absprache eventuell auch verlängerbar ist. Grundsätzlich sind die Rahmenbedingungen, abhängig vom Bedarf, anpassungsfähig. Schließtage werden frühzeitig bekannt gegeben und, soweit möglich, mit den Eltern abgesprochen. Durch Einbindung in ein Netzwerk von Tagespflegestellen ist auch eine Vertretung in Krankheitsfällen möglich.

 

Räumlichkeiten

Es stehen zwei Räume zur Verfügung, so dass unterschiedlichen Bedürfnissen (Ruhe, Spiel, Lernen) gleichzeitig nachgekommen werden kann. Die Räume (Ladenfläche) liegen ebenerdig und werden ausschließlich für die Betreuung der Kinder genutzt. Auf 75 qm haben Kinder viel Platz zur Entfaltung ihrer Bedürfnisse und Ideen.

Die Räume sind so eingerichtet, dass sie je nach Bedarf schnell umgestaltet werden können und tragen dem Bewegungsbedürfnis der Kinder Rechnung. Auf Kissen sitzend kann an entsprechend niedrigen Tischen gearbeitet, gespielt oder gegessen werden. Entsprechend leicht können die Kinder die Möbel schnell umbauen und Platz schaffen, wo nötig. Auf Matratzen kann gekuschelt werden oder geruht, sie können aber auch in das Spiel der Kinder integriert werden.

Unsere Räume liegen im Wohngebiet „Roter Löwe“ an der Moislinger Allee. Eine Bushaltestelle ist vor der Tür, Parkplätze sind vorhanden, Grünanlagen und der Bauspielplatz „Buntekuh“ sind für uns schnell erreichbar.

 

Außenbereich

In geringer Entfernung befindet sich ein großer Spielplatz fern vom Straßenverkehr, wo die Kinder ihrem Bewegungsbedürfnis ausgiebig nachkommen können. Weitere Spielplätze befinden sich in unmittelbarer Nähe. Diese Möglichkeiten nutzen wir fast täglich.

 

Pädagogik

Kinder haben je nach Alter unterschiedliche Bedürfnisse, auf die wir eingehen. Kinder im Elementarbereich (3 – 6 Jahre) sind ganz Sinnesorgan und alle Umwelteindrücke prägen es bis in die Körperlichkeit.

Entsprechend achten wir auf die Gestaltung dieser Umwelt bei der Einrichtung der Räume und der Auswahl der Spielangebote. Die ideale Umgebung für Kinder ist die Natur! Nirgendwo finden Kinder bessere Bedingungen, um ihre Entdeckerfreude auszuleben, die Sinne und die Beweglichkeit zu schulen. So oft wie möglich wollen wir den Kindern die Gelegenheit bieten, sich in natürlicher Umgebung zu entfalten. Neben der freien Natur bietet sich dazu unser Gartengelände an.

Das Gehirn des Menschen tut nichts lieber und kann nichts besser als lernen! Kinder haben von sich aus den Drang, die Welt zu entdecken und begeistern sich schnell. Diese Begeisterung ist die Voraussetzung für nachhaltiges Lernen und wir möchten auf sie eingehen. Dazu brauchen Kinder Gelegenheiten z. B. im freien Spiel. Für Erwachsene belanglose Dinge sind es oft, die Kinder anregen und wo sie ihre Interessen zeigen. Diese greifen wir auf und fördern sie. Jedes Kind hat ein Recht auf individuelle Förderung seiner Interessen und Fähigkeiten und darauf schauen wir.

Dabei sind die allgemeinen Ziele von Bildung und Erziehung Autonomie, Gesundheit, Resilienz und Freude. Unser Verständnis von Gesundheit ist ein ganzheitliches. Gesundheit ist kein Zustand sondern ein Prozess, in dem immer wieder ein Gleichgewicht angestrebt wird zwischen individuellen Möglichkeiten und Zielen und gegebenen Umständen, körperlich, seelisch, geistig. Es ist wichtig für Kinde zu lernen, dass ihr Handeln wirksam ist und sie der Welt nicht ausgeliefert sind. So finden sie nicht nur Freude am und Sinn im Leben, sie entwickeln auch Widerstandskraft in widrigen Lebensumständen. KTP ROTER LÖWE unterstützt die Kinder beim Einüben selbständigen, eigenverantwortlichen Handelns aus eigener Initiative heraus. Aus all dem erwächst Lebenstüchtigkeit und, durch unser spezielles Bildungsangebot, auch Schultüchtigkeit.

Das Gefühl der Bindung besonders mit der Beziehungsperson ist die Grundlage für mutige Entdeckerfreude und ungehinderte Entfaltung der eigenen Möglichkeiten.

Die Kinder sollen das soziale Zusammenleben mit gestalten und Rücksicht auf die Interessen anderer Menschen nehmen. Sie lernen in der Gemeinschaft, das Denken, Fühlen und Handeln anderer Menschen zu verstehen, zu respektieren und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen

 

Spielen

Für Kinder ist Spielen und Lernen das Gleiche. Spielen heißt, die Welt erkunden, die eigenen Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln.

In diesem selbstgesteuerten Spiel lernen Kinder effektiv. Es fördert ihre soziale, emotionale, motorische und kognitive Entwicklung. Sie erkunden die Umwelt, experimentieren, erwerben Wissen, praktizieren neu erworbene Fähigkeiten, erproben verschiedene Rollen, entwickeln Kreativität und Vorstellungskraft. Sie lernen neue Aufgaben auszuführen, komplexe Probleme zu lösen, mit anderen Menschen in angemessener Weise zu interagieren, Konflikte zu bewältigen, Gefühle auszudrücken und zu kontrollieren .

Durch einfühlsames Beobachten geleitet, begleiten wir die Kinder in ihrem Entwicklungsprozess und ergänzen/bereichern den Tag mit Bildungsangeboten. Dabei äußern Kinder ihre Meinung und ihre Wünsche.

Da die Gruppe jeweils sehr klein ist, kennen wir die Kinder bald sehr gut, kennen ihren Entwicklungsstand, ihre Persönlichkeit und ihre Ressourcen. Dementsprechend nah sind wir mit unseren Bildungsangeboten am Kind, geben ihnen aber auch Raum für „unbeobachtetes“ Sein.

 

Bewegung

ist ein elementares Bedürfnis von Kindern und eminent wichtig für die ganzheitliche Entwicklung. Ein gut entwickelter Gleichgewichts – und Bewegungssinn wirkt sich positiv auf mathematisches Verständnis und sprachliches Ausdrucksvermögen aus. Drinnen wie draußen geben wir den Kindern die Möglichkeit, ihrem Bewegungsdrang nachzukommen und Grob- und Feinmotorik zu üben. Tägliches Spielen auf dem Spielplatz, häufige Erkundungen in der Natur und angeleitete Bewegungsspiele tragen dazu bei, diesem Bedürfnis der Kinder gerecht zu werden.

 

Sinne

Neben den allgemein bekannten fünf Sinnen kennt die Waldorfpädagogik noch weitere wie den Eigenbewegungssinn, Gleichgewichtssinn oder Ichsinn. In einer Welt, die stark von Medien und Konsumhaltung geprägt ist, werden die Sinne der Kinder nicht immer umfassend angeregt. Um die gesunde Entwicklung zu fördern, achten wir besonders darauf, möglichst alle Sinne der Kinder anzusprechen und auszubilden. Das geschieht, wie schon angesprochen, durch die Gestaltung und Auswahl der Umgebung (Räume, Natur), musikalische Aktivitäten, Bewegungsspiele oder Naturerlebnisse. Jede Alltagstätigkeit kann genutzt werden, um ganz bewusst die Sinne zu fördern. So kann man zum Beispiel die Essenszubereitung nutzen und den Geschmackssinn üben. Allein die Auswahl der Produkte hat Auswirkung auf die Entwicklung diese Sinnes.

 

Sprache

Sprache ist Bestandteil der kognitiven Entwicklung, Ausdrucksmittel von Gedanken und Gefühlen und macht uns zu Mitgliedern einer Kultur. Wir achten bei uns selbst auf guten sprachlichen Ausdruck und respektvolle Sprechkultur, da wir uns unserer Vorbildfunktion bewusst sind. Darüber hinaus motivieren wir Kinder zum Sprechen/Erzählen und fördern spielerisch den Spaß an der Sprache.

Für Schulkinder gehört natürlich auch die geschriebene Sprache zur Erfahrungswelt und spielt in der Schule eine herausragende Rolle. Hier wie in der Sprachförderung allgemein liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit! Vom Hören und Erzählen von Erlebnissen und Geschichten ist es nur ein Schritt zum Schreiben. Eigene Fantasien zu Papier bringen, Erlebnisse aufschreiben, um sie Anderen zu präsentieren, kleine Gedichte schreiben, mit der Schrift experimentieren und sie gestalten, die Möglichkeiten sind vielfältig.

 

 

Kreativität

Zentraler Punkt hinsichtlich unseres Mottos – „Kinder stark machen“ – ist die Entwicklung der Kreativität. Dabei denkt man oft zuerst an eine künstlerische Betätigung der Kinder wie Malen, Basten, Plastizieren o.ä. Auch wir halten eine Förderung in diesem Bereich für sehr wichtig, führt doch kreative Betätigung zu Kreativität in vielen anderen Bereichen. Beweglichkeit im Denken z.B. macht Problemlösungen einfacher und den Menschen lebenstüchtiger. Die uns anvertrauten Kinder werden viele Gelegenheiten bekommen, beim Malen , Formenzeichnen, oder Arbeiten mit Ton ihre Kreativität zu entfalten.

 

Bildungsangebot

Ein ausgewogenes Verhältnis von Freiraum (-zeit) und Bildungsangeboten halten wir für gesund. Jeder Wochentag steht unter einem Motto, wobei wir unserer Kompetenz gemäß Schwerpunkte setzen. Sprachförderung, Künstlerisch-handwerkliches, musikalische Erfahrungen und naturwissenschaftliches Experimentieren bieten wir an. Dabei geht es nicht darum, schulisches Lernen vorweg zu nehmen, schon gar nicht schulischen Druck! Das Interesse an der Welt in seiner Vielfältigkeit gilt es zu fördern, Vorlieben ergeben sich später von selbst, Talente zeigen sich. Es handelt sich also um eine ganzheitliche Bildung!

Eine Woche bei uns könnte zum Beispiel so aussehen:

  • Montag gemeinsames Singen, Singspiele, mit Alltagsgegenständen musizieren……
  • Dienstag Wortspiele, Geschichten erfinden, szenisches Spiel……..
  • Mittwoch Naturerlebnis im Garten, experimentieren…..
  • Donnerstag plastizieren mit Ton, aus einer Kugel wird eine Maus, Wasserfarbenmalen
  • Freitag Spiele zum mathematischen Verständnis……

 

 Ernährung und Gesundheit

Das gemeinsame Essen ist ein wichtiges Element eines strukturierten Tagesablaufes und fördert das Gemeinschaftserlebnis. Dabei sind die Kinder in den Zubereitungsprozess einbezogen und übernehmen bestimmte Aufgaben. Die Nahrungsmittel sind ein Beitrag zur Gesunderhaltung und so wird auf eine ausgewogene Vollwerternährung geachtet, die aber nicht dogmatisch sein soll. Es gibt keine Fertigprodukte sondern frisches Gemüse und Obst. Auf Wunsch wird kein Schweinefleisch verarbeitet. Übermäßiger Zuckerkonsum trägt zu Unruhe und Konzentrationsschwäche bei, trotzdem ist hin und wieder eine Süßigkeit erlaubt. Wir bieten den Kindern ein Frühstück, Mittagessen und nachmittags einen kleinen Snack an.

Zu den täglichen Ritualen gehören auch Händewaschen und Zähneputzen, wobei neueste Erkenntnisse ein zu häufiges Zähneputzen (nach jeder Mahlzeit) nicht für sinnvoll halten. Wir legen Wert auf eine einheitliche Regelung für alle Kinder in unserer Gruppe.

Beide Tageseltern haben einen Erste-Hilfe-Kurs für Säuglinge und Kleinkinder absolviert, der alle zwei Jahre aufgefrischt wird.

 

 

Hausaufgaben

Schulkindern bieten wir qualifizierte Hausaufgabenbetreuung an. Kinder haben es nach einem oft anstrengenden Vormittag in der Schule verdient, sich zu erholen und ihren Nachmittag frei zu gestalten, aber eine lebensweltorientierte Betreuung muss den Anforderungen an Schulkinder gerecht werden. Gemeinsames Arbeiten macht mehr Spaß und ist erfolgversprechender. Trotzdem steht die gesunde Entwicklung der Kinder im Vordergrund und wir achten auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Schularbeit und Freizeit. Offensichtliche Überlastung oder Probleme mit dem Lernen besprechen wir mit den Eltern und gegebenenfalls auch mit der Schule und suchen nach Lösungen.

 

 

Eingewöhnung

Je nach Alter der Kinder brauchen sie unterschiedlich lange, bis sie Vertrauen zu den TPP gefasst haben und die Abwesenheit der Eltern ihnen keine Angst mehr macht. Je jünger die Kinder sind, desto behutsamer müssen sie an die neue Situation und besonders die neue Bezugsperson gewöhnt werden. Dafür ist die Anwesenheit eines Elternteils zwingend notwendig, weil so ein Vertrauensverhältnis zwischen Tageseltern und Kindeseltern entstehen kann und auch das Kind die neue Situation akzeptiert.

Vor Inkrafttreten des Betreuungsvertrages kommen Vater und/oder Mutter mit dem Kind stundenweise zu uns und machen sich vertraut mit der neuen Situation. Die dafür veranschlagten 20 St. kosten Sie nichts.

 

 

Elternarbeit

Wir verstehen uns als Teil eines Erziehungsverbundes von Eltern, Schule und Tagespflege. Dabei müssen Erziehungs- und Bildungsziele nicht komplett übereinstimmen, aber für eine erfolgreiche Erziehungspartnerschaft ist ein Abgleich von Informationen und Meinungen zwingend nötig. Kinder brauchen Orientierung und müssen wissen, dass ihre Eltern mit den Tagespflegeeltern konform gehen. Auch eine homogene oder zumindest tolerante Elternschaft ist wünschenswert. Elternabende, Einzelgespräche und gemeinsame Aktivitäten sollen dazu beitragen. Veränderungen in der Gruppe werden den Eltern mitgeteilt.